Die Zeichen des Lebens und warum ich aus „Incredible India“ flüchte!

DSC07122aHallo meine lieben Leser,

nach langer Schreib-Abstinenz, ist es mal wieder an der Zeit, ein Lebenszeichen von mir zu geben.

Seit fast vier Wochen bin ich in „Incredible India“ und werde das Land in ein paar Tagen wieder verlassen. Meine Zeit hier war sehr lehrreich und hat mir viele Erkenntnisse gebracht. Es ist viel passiert und ich hatte eigentlich vor, dieses Land wesentlich länger auf meiner Reise zu besuchen. Die indischen Männer machen mir dies jedoch unmöglich. Ich fühle mich wirklich unwohl, da ich mit dem größtenteils respektlosen Benehmen der Männer hier, den Frauen gegenüber, einfach nicht klar komme. Jeder zerrt an mir, was mir das Gefühl gibt, mich wie „Beute“ zu fühlen. Auch der Versuch mich „unsichtbar“ und angepasst zu verhalten, hat nicht geholfen. Daher habe ich beschlossen, meinen Aufenthalt hier abzubrechen und neue Ufer anzusteuern.

Nichts desto trotz, habe ich meine Zeit hier bestens genutzt. Ich habe ein paar Tage in den Slums von Varanasi als Englischlehrerin geholfen und habe einen 15-tägigen Kurs in der Kunst des Fotografierens absolviert. Ich habe an einem großartigen Workshop über Motivation und das Verhalten unserer Generation, an der BHU, der größten Universität in Asien, teilgenommen und habe mehr über die Lehren des Buddhas und das Leben im Hinduismus gelernt.

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Wieder habe ich einen großartigen, liebevollen Mentor und Freund gefunden, der jederzeit für mich da war. Mein Fotografielehrer Professor Raj Kumar Chourasia, der mir wie ein Vater hier in Varanasi zur Seite stand. Als ich krank war, hat er mich im Hotel besucht und mir Medikamente und Essen gebracht. Er hat mir seine Familie vorgestellt und mit mir sein Wissen geteilt. Später mehr dazu, wie ich diesen wertvollen Menschen getroffen habe.1

In Nepal hatte ich geplant von meinem Ankunftsort Delhi aus, mit dem Zug zum Taj Mahal in Agra zu fahren und danach weiter nach Jaisalmer in die Thar Wüste zu ziehen. Dort hatte ich mir einen Job in einem Wüstenresort organisiert. Die Zugtickets für sämtliche Fahrten, hatte ich ebenfalls bereits von Nepal aus gebucht. Letztendlich kam alles anders. Einen Tag nach Ankunft in Delhi, saß ich im Flieger Richtung Varanasi. Durch sämtliche seltsamen Begebenheiten am Tag meiner Ankunft, die mich kurzweilig komplett mit der Lage überforderten, habe ich mich in einem kleinen Touristenbüro, auf einen völlig überteuerten Flieger Richtung Varanasi buchen lassen. Nach anfänglicher Aufregung, dachte ich mir, es muss wohl einen Grund geben, warum ich auf direktem Wege nach Varanasi muss.

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Immer mehr komme ich zu der Überzeugung, dass Gott, das Universum oder einfach das Leben, uns gewisse Möglichkeiten aufzeigt, im Leben voran zu kommen. Man muss nur wachen Auges durch die Welt gehen und es lernen, die Zeichen lesen zu können. Ob wir diese Wege letztendlich beschreiten, liegt ganz bei uns. Ich war nie ein traditionell gläubiger Mensch und mir kam die Vorstellung immer seltsam vor, dass ein weißbärtiger alter Mann, uns alle und alles um uns herum, erschaffen haben soll. Aber, dass wir alle durch einen Urknall entstanden sind und dies alles rein wissenschaftlich erklärbar sein soll, fand ich im Gegenzug eine traurige und hoffnungslose Vorstellung. Ich habe keine Erklärung dafür, aber das erste Mal in meinem Leben, möchte ich aus voller Überzeugung lernen und verstehen.

Ich habe viele tolle Bücher gelesen, die mich inspirieren und mich voran treiben, meinen Weg zu finden. Je mehr ich versuche das Gelesene anzuwenden, umso Einfacher und Logischer erscheint mir alles. Meine Eltern, nennen mich seit Wochen nur noch Glückskind, weil mir so viel Gutes auf dieser Reise widerfährt.

Aber was ist denn Glück oder glücklich sein? Und wie erlangt man es? Am Logischsten hierzu erscheint mir die Antwort, ein Leben in Balance zu leben.

Ich habe einige Regeln für mein Leben aufgestellt, denen ich versuche, so weit als möglich, zu folgen. Ich möchte ein Leben leben, auf das ich stolz sein kann. Ich begegne anderen Menschen und Lebewesen mit Respekt. Ich schenke meinen Mitmenschen Liebe und nehme die mir entgegengebrachte Liebe dankbar an. Ein Geschenk, das uns nichts kostet und so viel Freude in Anderen und uns selbst auslöst. Und ich versuche gesund zu leben, in dem ich mit meinem Körper respektvoll umgehe.

Dass ich ausschließlich nach diesen Prinzipien lebe, wäre Illusion, aber die richtige Balance zu finden, ist eine Herausforderung, der ich mich jeden Tag stelle. Meine Reise hat einen Ehrgeiz in mir entwickelt, mich mit meiner eigenen Weiterentwicklung zu beschäftigen. Dieser Ehrgeiz soll mich auf meinem weiteren Weg durch diese Welt antreiben. Und ich will mich nicht durch Faulheit, Ignoranz oder Ausreden davon abbringen lassen, diesen Ehrgeiz wieder zu verlieren.

So kam ich also vor vier Wochen in Varanasi an, mit der Überzeugung, dass es hier irgendetwas für mich zu erledigen gibt. Ich bin mit offenen Augen durch Varanasi gelaufen und habe mich die ersten Tage völlig im Fotografieren verloren. Ich habe von mehreren Personen, ein überwältigendes Feedback zu meinen Fotos bekommen und mir wurde bewusst, dass ich bereits seit vielen Jahren, die Fotografie liebe. Und plötzlich tauchte dieses Schild von einer „Natural Photography Art School“ vor mir auf. Ich habe die angegebene Nummer darauf angerufen und so fand ich meinen Professor, der durch seine liebevolle Art und seinen großartigen Unterricht mein Herz erobert hat.

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Auf meinem weiteren Weg, möchte ich mir nun das Wissen dieser Welt für meine eigene Weiterentwicklung zu nutzen machen, meine Instinkte schärfen und nach weiteren Zeichen Ausschau halten. Langsam aber gewissenhaft. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Am Dienstag werde ich nun, wie bereits erwähnt, Indien verlassen. Mein nächster Zielflughafen ist Bangkok, wo ich Earth, ein Mitglied meiner Mountain Family vom ABC Trekk (hier zum Artikel), treffen werde. Ich habe mich auf einige Jobs auf Koh Tao und Koh Phangan (Inseln bei Koh Samui) beworben und warte derzeit auf Antworten.

Zwei Wochen später werde ich nach Kuala Lumpur, Malaysia, weiterfliegen und mich dort mit Simon, einem guten Freund aus Deutschland, treffen. Simon arbeitet bei Adidas und ist momentan in Singapur und Malaysia auf Außeneinsatz.

Ab 11. März werde ich mir einen langersehnten Wunsch erfüllen und bei einem 10-tägigen Vipassana Meditationskurs in einem indonesischen Aschram auf der Insel Java teilnehmen. Dieser Kurs wird eine große Herausforderung für mich, da während dieser Tage ein komplettes Kommunikationsverbot besteht. Keine Kommunikation in Worten, Schrift und Gesten. Jegliche elektronische Gerätschaften müssen vor Kursbeginn abgegeben werden und es gibt strikte Vorschriften am täglichen Tagesablauf, der um 4 Uhr morgens beginnt, teilzunehmen.

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Am 26.03. gibt mein all time Favorit Lenny Kravitz ein Konzert in Jakarta, Indonesien, wofür ich natürlich bereits mein Ticket in der Tasche habe.

In der weiteren Planung steht es danach meine Freundin Maria in Australien zu besuchen. Wir haben uns in der Türkei kennengelernt und sind eine Woche durch das Land getrampt (hier zum Artikel). Sie möchte eine Tramp und Camp Tour durch den australischen Norden mit mir machen.

Aber da sich meine Pläne meist täglich ändern, werde ich sehen, wohin der Wind mich weht. Sicher ist, es bleibt spannend und lehrreich und meine Abenteuerlust ist noch lange nicht versiegt.

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In diesem Sinne, bleibt wachsam und ehrgeizig und kommt aus Eurer Komfortzone!

Alles Liebe, Eure Tanja

 

P.S. Da ich von einer eigenen Ausstellung meiner Fotos träume, benötige ich schnellstmöglich besseres Fotoequipment. Leider kann und will ich momentan finanziell keine so große Anschaffung tätigen. Ich habe daher mehrere Fotohersteller wie Canon, Nikon, Sony etc. angeschrieben und nach Sponsoringmöglichkeiten gefragt. Bisher sind einige Absagen eingegangen, aber ich werde so schnell nicht aufgeben. Vielleicht hat jemand von Euch Kontakte, mit denen er mir weiterhelfen kann? Oder möchte mich sogar direkt mit einem Sponsoring unterstützen? Schreibt mir, wenn Ihr mich hierbei unterstützen möchtet!

P.P.S. Weitere Bilder auf meiner Facebook-Seite. Hier zum Link!

7 Gedanken zu “Die Zeichen des Lebens und warum ich aus „Incredible India“ flüchte!

  1. WOW WOW WOW. Ich freue mich auf weiteres.Wirklich traurig,dass die Männer in Indien anscheinend so heftig (negativ)mit Frauen umgehen

    • Ich freue mich auf was da noch so kommt. Allerdings glaube ich, dass die Männer hier wirklich denken, dass westliche Frauen einfach zu haben sind. Und das kommt nicht von irgendwo her. Die Medien und frühere Touristinnen haben dazu sicher ihr nötiges beigetragen!

  2. Der Bericht war wieder sehr interessant. Meine Tochter war nach dem Abi 2 Monate in Südindien, da waren die Kleidervorschriften sehr konservativ. Da durfte man bei 40° nicht ärmellos und mit Shorts rumlaufen, sondern nur mit bedeckten Schultern und 3/4 langen Hosen. Eine ältere Frau hat einmal an ihrem T-Shirt gezerrt, sie wurde öfter angefasst. Sie meinte, dass der Straßenverkehr dort lebensgefährlich war.
    Viel Glück weiterhin und ich freue mich auf weitere Berichte.

    • Vielen Dank liebe Elisabeth. Indien ist wirklich ein schwieriges Land für westliche Frauen. Ich bin froh dem Stress jetzt zu entfliehen und freue mich auf Erholung in Thailand.
      LG Tanja

  3. Hallo meine Tanja, der Artikel war mal wieder lebensnah und gut geschrieben. Was ich heute für einen Spruch für Dich gefunden habe finde ich so gut, dass ich Ihn Dir für den weiteren Weg mitgeben möchte.
    Vielleicht kommen Dir irgendwann Zweifel, ob Du auf dem richtigen Weg bist. Dann wünsche ich Dir, dass Du auf Deine innere Stimme hörst, und es Dir ehrlich eingestehst, wenn es nötig ist, einen anderen Weg einzuschlagen oder umzukehren.
    Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Nun gehe Deinen nächsten Schritt und lasse Dich überraschen, was das Leben für Dich als nächstes bereit hält.
    In Liebe Deine Mama

    • Ach Mutti, wie immer kann ich nur „Danke“ sagen für die Liebe, die Du mir über die immer größer werdende Distanz zwischen uns schickst! Aber letztendlich sind wir uns, trotz so vielen Kilometern, so nah! Ich liebe Dich!

  4. Hoffe, es geht Ihnen gut und Sie haben den Kulturschock verarbeitet. Haben dieser Tage oft an Sie gedacht, da wir wieder in dem „Cafe“ waren. Interessant was man so in fremden Kulturen erlebt. Hauptsache, Sie sind gut heraus gekommen.
    Werde ab sofort öfters nach Ihrer Seite schauen. Aber – was ist seit dem Februar 2015??? Alles ok??
    Würde mich freuen von Ihnen zu hören!
    Alles Gute
    Helga und Bernd Wolf

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