…und plötzlich war ein Jahr vorüber!

Heute vor einem Jahr, saß ich aufgeregt neben meiner Schwägerin Antje im Auto auf dem Weg zum Stuttgarter Flughafen. Ziel war Istanbul und es war ein Abschied von Deutschland, meiner Familie und meinen Freunden, auf unbestimmte Zeit. Es war ein unwirkliches Gefühl, endlich in den Flieger zu steigen und meinem bisherigen Leben, den Rücken zu kehren. Aber in mehreren tausend Metern Höhe, war es dann endlich da. Der Abschiedsschmerz hatte der unbändigen Vorfreude Platz gemacht und ich war bereit für das Unbekannte, für das Abenteuer und für das Leben als Vollzeit Nomadin.

Und die Reise beginnt...

Und die Reise beginnt…

Heute feiere ich mein ganz persönliches einjähriges Reisejubiläum und ich schaue zurück auf ein Jahr, welches den Maßstab für alles Kommende setzen muss.

Ein Jahr voller Abenteuer, exotischen Ländern und Kulturen, neuer Freunde, Erfahrungen und Lehren. Unbezahlbar und unvergesslich!

Ich kann voller Stolz behaupten, dass ich diese mutige Entscheidung, mich auf den Weg zu machen, mit keiner Faser meines Körpers bereue. Mein Leben ist zu dem geworden, von dem ich so lange geträumt habe. Aufregend, vielseitig und frei von Langeweile. Natürlich musste ich dafür auch Einiges aufgeben, aber unterm Strich, war es das wert.

Es gibt viel zu berichten und ihr fragt Euch vielleicht, was ich gerade so tue, wie es weiter geht und wann ihr mich vielleicht wieder seht.

Ich möchte beginnen mit meiner Anreise nach Mexiko.

Nachdem ich nach über 7 Monaten Reise, meine Eltern für zwei wunderbare Tage in Thailand getroffen hatte, war der Abschiedsschmerz groß, als ich nach dieser kurzen Zeit wieder weiterziehen musste.

Hatten wir Spaß...

Hatten wir Spaß…

Meine Monsterodyssee nach Mexiko stand an. In 23 Stunden von Thailand nach Malaysia mit drei verschiedenen Bussen. Davon verbrachte ich 13 Stunden in einem vollbepackten Minivan und da ich als Letzte abgeholt wurde, musste ich mich mit dem undankbarsten Platz, hinten in der Mitte zwischen zwei gestanden Argentiniern, zufrieden geben. Nach einer Stunde sprach ich das Endspiel Deutschland-Argentinien bei der letzten WM an, als Antwort, verringerte sich meine Sitzfreiheit auf ein Minimum.

Ich weiß auch nicht, ich fands lustig… Fernando, links neben mir, hatte dann aber irgendwann doch Mitleid mit mir und bot mir seine überdimensional, muskulöse Schulter zum Anlehnen an. Ab der malaysischen Grenze, zog ich dann in den luxuriösesten Nachtbus aller Zeiten um. Mein Sitz ließ sich zu einem kompletten Bett umklappen und so konnte ich selig bis Kuala Lumpur schlafen. Die 3 Stunden Aufenthalt in Kuala Lumpur verbrachte ich mit meinen Freunden Liyana und Muntah, die ich in Jakarta, Indonesien, kennengelernt hatte.

Liyana and Muntah, KL

Liyana and Muntah, KL

Und dann ging die Fliegerei los. Von Malaysia nach China, 3 Stunden Aufenthalt, von China nach Los Angeles, 5 Stunden Aufenthalt und schlussendlich von LA nach Mexiko City. Völlig erschlagen, nahm ich ein letztes Gefährt, ein Taxi, um mich ins Hostel bringen zu lassen. 62 Stunden Anreise. Warum man sowas macht? Ganz einfach, es war mit Abstand die günstigste Variante.

Da ich allerdings in den sehr frühen Morgenstunden im Hostel ankam, aber erst (aus weiteren irrsinnigen Sparmaßnahmen) ein Zimmer für die kommende Nacht gebucht hatte, verbrachte ich den Tag damit mich wach zu halten und mit so wenigen Menschen als möglich kommunizieren zu müssen. Ich fühlte mich wie eine wandelnde Leiche, hatte allerdings das Vorhaben, dem Jetlag ein Schnippchen zu schlagen und den Tag, ohne zu schlafen zu überstehen. Ich bin schließlich 12 Stunden in der Zeit zurück gereist und mein Biorythmus hatte etwas von einem sturzbetrunkenen Baletttänzer auf einer ausverkauften Veranstaltung, bei dem gerade die Wirkung der Überdosis Schlaftabletten einsetzt.

Christoph und Jake, Hostel Home, Col. Roma, Mexico City

Christoph und Jake, Hostel Home, Col. Roma, Mexico City

Daraus resultierte eine Zeit der Reisemüdigkeit und völligem Desinteresse nach Abenteuern. Die ersten zwei Wochen, habe ich das Hostel so gut wie nicht verlassen. Ich wollte keine überfüllten Sehenswürdigkeiten besuchen, oder mich durch irgendwelche Menschenansammlungen drücken müssen. Ich wollte einfach nur Zuhause sein. Und das war ich! Die Menschen im Hostel Home wurden meine kleine Familie und die Stadt – das was ich bei meinen wenigen Ausflügen gesehen hatte, hatte mich sofort verzaubert.

Für mich stand aber ziemlich schnell fest: Ich hatte die Schnauze erstmal voll vom Reisen. Ich brauchte eine Pause.

Kurz nach meiner Ankunft in Mexiko, hatte ich online meine Nikon Kamera in den USA ins Hostel bestellt und so wartete ich und nistete mich immer mehr im Hostel ein. In meinem 5-Bett Frauenzimmer, wechselten täglich meine Mitbewohnerinnen, ich war die Einzige, die die Stellung hielt. Nur meine Jungs waren immer da. Letztendlich wurden es vier Wochen und ich ließ meine kleine „Hostelfamilie“ zurück, um mich an die mexikanische Pazifikküste, nach Mazatlán, aufzumachen.

Ich wollte eine Reiseauszeit und wollte diese an einem schönen Strand verbringen und mich auf meine Fotografie konzentrieren. So mietete ich ungesehen, im mir fremden Mazatlán, eine Wohnung für 3 Monate, in Strandnähe.

Malecón, Mazatlán

Malecón, Mazatlán

Was ein Desaster! Nach einer Woche, versuchte ich den Mietvertrag auf 1 Monat zu verkürzen, was mir allerdings nicht gelang. Der Vermieter ließ sich auf eine Verkürzung auf zwei Monate ein und so saß ich also fest. Versteht mich nicht falsch, Mazatlán ist wirklich schön. Meine Wohnung lag 1 Block vom Strand entfernt und war wunderschön mit Klimaanlage und voll möbliert. Die Pazifikküste bietet glasklares, warmes Wasser mit großartigen Wellen. Die Strände sind endlos, sauber und mit Ausblick auf die vorgelagerten Inseln. Die Sonnenuntergänge sind atemberaubend und jeden Abend aufs Neue bezaubernd. Man bekommt alles was das westliche Urlauberherz höher schlagen lässt und die Temperaturen sind durchgehend warm genug, dass lange Bekleidung nur der Moskitoabwehr dient. Klingt eigentlich traumhaft, oder? Ja, das dachte ich auch.

Mazatlán Sunsets

Mazatlán Sunsets

Meine Wohnung lag im Touristen- und „Reichen“-Viertel. So war ich also umringt von kanadischen Rentnern, die in Mazatlán überwintern und von jungen Wochenendpartyurlauber aus Kanada, den USA und Mexiko, die donnerstags anreisten und montags wieder abreisten. Die mexikanischen Familien in meiner Nachbarschaft, lebten alle ziemlich zurückgezogen. So fand ich also nicht wirklich Freunde und ich viel in ein hausmütterliches, eigenbrötlerisches Verhaltensmuster. Ich kaufte Tonnen an Essen im Supermarkt und kochte mich durch sämtliche meiner Lieblingsgerichte, mehrfach. Ich verliebte mich in die Klimaanlage und den TV mit Kabelanschluss, wo ganztägig Filme in Englisch gezeigt werden. Jeden Tag hab ich mich zwei Stunden in die Wellen gestürzt, mir am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und ich habe viel fotografiert. Und am Wochenende habe ich mich ab und an ins Partyleben gestürzt, in der Hoffnung neue Freunde zu finden. Was meist äußerst unbefriedigend endete, da nicht einmal die Musik in Mazatlán meine Stimmung erhellt.

Was übrigens den Deutschen zu verdanken ist! Die dort populäre moderne Banda Musik, hat Ihre Wurzeln in der deutschen Polka Musik, die irgendwann ins Land gebracht wurde. Nur hat denen niemand gesagt, dass das nicht unbedingt die Musik ist, die man in einem Club oder auf einer Party spielt.

Und man ist nirgends davor gefeit! Da liegt man mittags alleine an einem menschenleeren Strandabschnitt in völliger Ruhe, da tauchen aus dem Nichts irgendwelche Tuba und Trompetenspieler auf und verpassen Dir mit voller Wucht die Gehörexplosion Deines Lebens.

Versteht mich nicht falsch. So ab und an ein Lied, ist ja schon nett, aber in Mazatlán ist Banda (was übersetzt übrigens Blasmusik heißt; klingt auf Spanisch nur besser) überall, den ganzen Tag, die ganze Nacht, live und vom Band, in immenser Lautstärke und man kann ihr einfach nicht aus dem Weg gehen.

Äußerst penetrant ist das, wenn Ihr mich fragt!

Die Golfcar-Taxis, die in Mazatlán zu hunderten den ganzen Tag durch die Straßen fahren, überbieten sich gegenseitig an eingebauten Soundsystemen. Mit manchen dieser Spielzeugautos, kann man eine Bühne auf einem Festival beschallen. Und das präsentieren diese fahrenden Diskobetreiber natürlich der ganzen Welt. Und besonders gerne nach 3 Uhr nachts, wenn dann die Diskobesucher aus der viel zu leisen Disko kommen, und endlich die Party Ihres Lebens auf dem Heimweg ins Hotel erleben sollen. In diesen Momenten vermisste ich die guten, alten, rollenden, deutschen Technokisten.

Nun gut, das ist Geschmackssache. Ich bin einfach der Meinung, um 4 Uhr nachts bedarf es keiner Tuba.

Playa Dorada, Mazatlán

Playa Dorada, Mazatlán

So war ich also so gelangweilt von meinem Dasein in Mazatlán, und ich tat, was ich am besten kann: Planen! Ich hatte geplant nach Miami, die Karibik, nach Jamaica, nach Zentralamerika und in den Norden Mexikos zu gehen. Jede einzelne Tour hatte ich ausgetüftelt und dann wieder verworfen. In nächtelangen Internetrecherchen und Träumereien hatte ich wirklich gute Trips geplant.

Letztendlich entschloss ich mich dann, nochmals für zwei Tage nach Mexico City zurück zu gehen, um danach, in den Süden Mexikos weiterzuziehen.

Und wie ihr seht, kam dann irgendwie doch wieder Alles ganz anders.

Da meine Couchsurfing Verabredung kurzfristig absagte, bin ich auf gut Glück ins Hostel zurück und direkt in die Arme einer Familie aus alten und neuen Hostelfreunden. Über zwei Wochen verlängerte ich meinen Aufenthalt von Tag zu Tag und wieder änderten sich meine ganzen Pläne.

Das Wiedersehen mit David, meinem irischen Freund, war großartig. David fragte mich, ob wir uns hier in Mexiko City gemeinsam Etwas mit unserer Fotografie aufbauen wollen und so beschloss ich, der Sache eine Chance zu geben und blieb.

With David at the Pyramids of Teotihuacan.

With David at the Pyramids of Teotihuacan.

Da der Aufenthalt im Hostel auf Dauer für mich zu teuer wurde, zog ich vorübergehend zu David, der ein kleines Zimmer auf einem Hochhausdach bewohnte. Ich suchte mit Hochdruck nach einem Zimmer in einer WG und durch Zufall fand ich eine komplette, preiswerte Wohnung mit zwei Schlafzimmern. Die Wohnung war in einem Haus, wo ich mich in einer WG vorgestellt hatte. Ich hatte bereits das Zimmer in der WG zugesagt, als David zwei Tage später die Kündigung von seinen Vermietern bekam. Und so sind wir nun in unserer eigenen Wohnung gelandet. In down town Mexico City. Zufall oder Schicksal? Schicksal!

Nachdem ich viele Wochen in einem sehr hippen und wohlhabenden Stadtteil gewohnt hatte, kann ich nur sagen, dass ich es so genieße, nun im „echten Leben“ zu sein. Wir wohnen in einer Wohnanlage mit 8 Häusern und jeweils 24 Wohnpateien auf 6 Stockwerken pro Haus. Wir sind umringt von lauten Familien, Graffiti besprühten Wänden und Baustellenlärm. Und ich liebe es! Ist das nicht Ironie? Das schöne Mazatlán, verliert hier in meinen Augen um Längen. Ich laufe 10 Minuten und bin beim wunderschönen Palacio de Bellas Artes und viele der historisch wertvollen Gebäude der Stadt. In unzähligen Parks um mein zuhause, finden sich am Wochenende, Tanzbegeisterte zur gratis Salsa Parkparty zusammen. Jung und Alt! Shopping bis zum Umfallen beginnt direkt vor meiner Haustür. Ich laufe 2 Minuten zur nächsten Metrostation und kann für 5 Pesos (30 Cent), zu jeder Metrostation, in der ganzen Stadt, fahren. Natürlich leben hier im Zentrum auch einige Obdachlose und in der Nacht will ich nicht unbedingt alleine durch dunkle Gassen schleichen, aber nach einem Jahr und acht besuchten Ländern, würde ich behaupten, ich weiß auf mich aufzupassen. Ich habe mich in diese Stadt verliebt. Restlos, vollends und unwiderruflich.

Face of Mexico

Ich bin mir allerdings sicher, dass ich ohne meine Hostelfamilie hier und besonders – ohne David, nicht in Erwägung gezogen hätte, mich hier für eine Weile niederzulassen.

David ist mir wie ein Bruder hier. Er und sein Freund Yadin sind meine neue kleine Familie. Wir leben zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. David arbeitet als Englischlehrer beim British Counsel (britischen Konsulat) in Mexico City und Yadin arbeitet bei einem Fernsehsender als Produtionsassistent. Yadin spricht kaum englisch und ich spreche (immer noch) kaum spanisch. So sind unsere Unterhaltung mit unter sehr anstrengend, da David, das Sprachtalent, auch noch Deutsch lernen möchte. So sprechen wir hier also drei Sprachen und der Einzige, der wirklich den Überblick hat, ist David.

Nunja, ich muss sagen, ich hab keinen Wert darauf gelegt, schnell Spanisch zu lernen. Ich bin wirklich phänomenal gut darin, in jeder Situation zu bekommen was ich will. Ich bin ein Meister der Universalkommunikation. Ich spreche und verstehe mehr und mehr spanisch und den Rest fülle ich mit Händen, Füßen und spanischen Fantasiewörtern, die ich mir aus dem Englischen, Deutschen und Französischen zusammen reime. Ich komme durch. Überall!

Aber nun zu etwas Neuem, Wichtigem, Großem für mich. Meine Fotografie.

Logo Tanja Mikolcic

Die meisten von Euch haben sicherlich bereits mitbekommen, dass ich immer aktiver werde und Facebook mit meinen Bildern zu-Spam-e. Ich strebe zu neuen Höhen!

Nachdem ich seit dem Eintreffen meiner Kamera, aus den USA, ernsthaft mit der Fotografie begonnen habe und den festen Entschluss gefasst habe, mir einen Namen mit meiner Kunst zu machen, ist in den letzten Wochen nun endlich alles ins Rollen gekommen.

Natürlich kann ich nicht immer um die Welt tingeln, ohne irgendwann wieder für meinen Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Ich möchte aber nichts mehr machen, worin ich mich nicht sehe und was mir keinen Spaß bringt. Und da mir Musik, Menschen und Reisen einfach so viel Freude bringen und mir anscheinend ein gewisses Talent für die Fotografie in die Wiege gelegt wurde, arbeite ich nun an der Erfüllung eines weiteren Traumes. Nie mehr durch einen Job an einen Ort gebunden zu sein.

Tanja-Pyramids

Im Gegenteil, Vorteil daraus zu schlagen, dass ich mobil bin. Und so versuche ich nun auf verschiedensten Wegen schnellstmöglich mit meiner Fotografie Geld zu verdienen. Vor einem Monat habe ich meine ersten Bilder verkauft, ich habe ein paar Versuche auf einem Straßenmarkt unternommen, was allerdings mehr langweilig als motivierend war und mein Kontaktnetzwerk wird auch zunehmend besser. Die ersten Fotoshootings als Musik Fotografin liegen hinter mir und die Bands waren begeistert von meiner Arbeit. Ich genieße jede Minute des Shootings und gehe voll auf im Fotografieren. Momentan besteht meine Bezahlung noch in,von meinen Fotos begeisterten, Musiker-Fans und Referenzfotos für meine Seite, aber ich hoffe doch bald den ersten bezahlten Auftrag an Land zu ziehen. Ich habe Emails an das Bandmanagement von Pearl Jam, Sting, Blur etc. geschrieben (auch an Tokio Hotel). Diese Bands werden in den nächsten Monaten in Mexico City auftreten und ich hoffe, mit ein bisschen Glück vielleicht, (wer weiß, warum auch nicht) eine Akkreditierung zum Fotografieren zu erhalten. Bisher habe zwei sehr nette Emails zurück erhalten u.a. von der Pressesprecherin von Sting, dass ich im Auftrag der Presse handeln müsste, um eine Akkreditierung zu erhalten. So werde ich mich nun in der Musikpresse umschauen und mich da vorstellen. Zudem möchte ich einen sehr bekannten ortsansässigen Fotografen – David Eisenberg – kontaktieren, von dem ich über Yadin erfahren habe. Er fotografiert u.a. für den Playboy und ist hier in Mexiko einer der bekanntesten Fotografen. Vielleicht braucht er ja eine fleißige, deutsche Assistentin oder ist gewillt mir was beizubringen.

Hermandad Rasta, Charly

Hermandad Rasta, Charly

Ihr seht, an meiner Einstellung „Alles ist möglich“ hat sich rein gar nix geändert. Ich würde sagen, meine Vita, der vergangenen Jahren, bestätigt, dass ich damit ganz gut fahre. Wer es nicht versucht, kann es auch nicht erreichen. Und ich bin der Überzeugung, manchmal muss man einfach um Hilfe bitten! Wir Menschen helfen gerne! Und vielleicht liest irgendwann ein ganz wichtiger Mensch eine Email von mir und denkt sich „Hey, der Deutschen da, tu ich jetzt den Gefallen Ihres Lebens!“ Wer weiß das schon!!! Die Chancen sind höher als Lotto spielen.

Hatte ich erzählt, dass ich vor unserer Abreise unserem Oberbürgermeister Martin Wolff in Bretten eine Email geschrieben hatte, dass ich nirgends in Bretten einen Aufnäher mit dem Brettener Logo für meinen Weltreise Rucksack finde? Und ob er mir damit weiterhelfen kann.

Ein paar Wochen später rief mich meine Mama bei der Arbeit an und meinte es sei ein Paket vom Oberbürgermeisteramt angekommen. Darin war ein Brief von Herrn Wolff, wo er sich entschuldigte, dass er mir meinen Wunsch leider nicht erfüllen könnte, aber er mir stattdessen ein paar andere Sachen schickt. Zudem würde er sich freuen, wenn ich ihm nach meiner Rückkehr von meinen Erlebnissen persönlich berichten würde. Er schickte mir ein komplettes Brettenpaket. Mit Bretten-Schlüsselanhänger, -t-shirt, -Tasche, -Kugelschreiber… Der Schlüsselanhänger ist übrigens an meinem mexikanischen Hausschlüssel und war die ganze Reise über im Einsatz!

Keys-web

Eine meiner unglaublichsten Geschichten der ganzen Reise zum Thema Hilfsbereitschaft, ist allerdings immer noch meine Türkei-Geschichte. Als ich mitten in der Nacht von meinem Sklaventreiber-Arbeitgeber auf die Straße gesetzt wurde, nachdem ich ihm eröffnet hatte, dass ich bereits 2 Tage früher abreisen möchte (nachdem ich 3 Wochen schwer geschuftet hatte). Und ich nachts um 1 oder 2 mit meinem Rucksack in der Stadt ankam und mich umhörte, wo ich ein günstiges Zimmer für die Nacht bekommen könnte. Und da nahm mich dieser junge Türke mit zu seiner Familie nach Hause, überlies mir für die Nacht seinen Schlafplatz, die Couch, und ich verbrachte die Nacht in einem Einzimmerapartment mit der Mutter und den Geschwistern des Jungen, die auf dem Boden(!) mit dem Hund schliefen. Der Raum inkl. Küche, hatte nicht mehr als 25 qm. Die Mutter stand mitten in der Nacht auf und fragte mich, ob sie mir noch etwas zu essen machen solle. Diese Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, ist bis heute für mich: unfassbar!!!

Da gab es doch auch einen Spruch in der Bibel dazu:

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.…“

Sehr, sehr weise! Besonders einige Männer haben damit ein Problem. Lieber mal eine Stunde durch die Stadt fahren, bevor man Jemanden frägt, wohin es des Weges geht. Aber wenn umgekehrt jemand nach dem Weg frägt; freudigst, eine navigationsechte Wegbeschreibung abgeben. Ich glaube darüber gelesen zu haben, dass es mit Verlust oder Bloßstellung der eigenen Männlichkeit zu tun hat, wenn man(n) offenbart, dass er Hilfe braucht. Jedoch Überlegenheit zum Ausdruck bringt, wenn man Jemandem hilft. Komisches Verhalten.

Naja, da wären wir dann bei einem weiteren Thema. Die Männer! Nee, da ist grad gar nichts. Bisher war nichts in Aussicht und es ist auch aktuell nichts in Aussicht. Nicht, dass es da nicht schon den Ein oder Anderen gegeben hätte. Ich bin 36 und Single.

Ich mache mir da auch nicht allzu viele Gedanken. Da gibt’s doch auch diesen Spruch: „Tue was Du liebst und finde dabei, wonach Du suchst..“ oder so.

Also, ich werde jetzt berühmte Musik Fotografin und dann finde ich meinen Lenny Kravitz. Also, macht Euch keine Sorgen um mich. Ich bin auch als Einzelstück sehr glücklich!

Lenny Kravitz

(Ich wollte es nur angesprochen haben, meine Mama hat mir nämlich erzählt, dass ganze viele meiner Büchiger und Leute aus der Umgebungs-Heimat; dass eben ganz viele Menschen nach mir fragen und ich liefere Euch nach 5 Monaten Schreib-Inspirationslosigkeit, heute zum 1-Jährigen Jubiläum die volle Bandbreite „Tanja“. )

Womit ich mich auch schon beim nächsten Thema befinde. Ein ganz dickes Dankeschön, dass Ihr Euch dafür interessiert, was ich hier so treibe. Ich hoffe, Euch gefällt, was Ihr zu lesen bekommt (wenn Ihr denn etwas zu lesen bekommt). Ich weiß, ich war sehr, sehr, sehr schreibfaul seit ich hier in Mexico bin, aber mit der Ankunft hier, hat die ganze Reise einen neuen Charakter bekommen. Ich hatte sogar kurzfristig das Bedürfnis abzubrechen und nach Hause zu gehen.

Ich habe unzählige Artikel angefangen zu schreiben, aber Keinen beendet, weil ich einfach nicht wusste wie es weitergehen soll und ich keine Nörgelberichte über Mazatlán veröffentlichen wollte. In den letzten Wochen ist dann wirklich viel passiert. Ich habe mit Eduard Biller in Nepal (auch ein Brettener im Ausland), mein Logo, meine Visitenkarten und meine Webseite designed und ich bin so happy mit dem Ergebnis. Uns trennten 11 Stunden, so habe wir meist zwischen 1 und 3 Uhr nachts miteinander telefoniert und gearbeitet. Ansonsten habe ich mich darauf vorbereitet, dass ich auf „die Großen“ zugehen kann, ohne durch Unprofessionalität aufzufallen.

Business Cards

Und heute war es endlich an der Zeit und zudem Ehrensache Euch allen einen laaaaangen Brief zu schreiben. Jetzt wisst Ihr also was ich hier so treibe.

Und wie geht es weiter…

Meine Schwester hat gestern nach meinem SMS-Update festgestellt: „Die Reise ist also noch nicht zu Ende“. Nein, ist sie nicht. Ich weiß gar nicht, ob sie jemals zu Ende gehen sollte!?

Vorerst haben David und ich die Wohnung bis Mitte Januar (für 6 Monate) angemietet und sollte ich nicht dieses Jahr schon in meine finanzielle Notpolsterzone rutschen, dann werde ich auch solange hier bleiben. Ich setzte jetzt alles daran, hier mit der Fotografie voran zu kommen. Sollte ich endlich anfangen Geld zu verdienen, will ich von Januar bis März nach Brasilien. Meine Freundin Carla aus dem Libanon, ist dort für ein Kunstprojekt und Carneval in Rio…? Danach würde ich mich gerne gemütlich auf den Rückweg nach Deutschland machen. Ja, richtig gehört. Sollte ich es mir leisten können, werde ich spätestens Ende Mai zu der Hochzeit eines Freundes zurück sein. Ich würde gerne den Sommer in Deutschland verbringen und im September/Oktober wieder Richtung Nepal ziehen. Nebenher denke ich noch darüber nach evt. Im Frühjahr den Jakobsweg zu laufen und ein paar Freunde gibt es in Europa mittlerweile auch, die auf meinen Besuch warten.

Ich habe also einen raketenmäßigen Karrierestart beim Universum bestellt und das noch für dieses Jahr. Und falls das nicht klappt, was eigentlich fast undenkbar ist (hüstel*), habe ich auch schon Plan B in der Tasche. Ich habe eine nicht allzu schlechte Alternative, bei der ich mir mit harter Arbeit, aber in dekadenter Urlaubsatmosphäre, die Kasse wieder füllen könnte.

Fiesta Palace, Albert

Fiesta Palace, Albert

Vor Kurzem hatte ich ein Vorstellungsgespräch via Skype mit der Media Agentur von TUI und Hapag Lloyd Kreuzfahrten. Diese Agentur entsendet Foto- und Videografen Teams auf Kreuzfahrten und ich glaube, ich kann sagen, ich hätte den Job, wenn ich ihn wollte. Der Vertrag geht über 4-5 Monate auf Selbstständigen-Basis und ich muss 7 Tage die Woche, sehr viele Stunden arbeiten. Aber ich hätte wirklich ausgiebig Training im Fotografieren, arbeite auf einem Schiff (Punkt 35 auf meiner Bucket List) und die übernehmen Krankenversicherung, Unterkunft und Essen. Somit würde ich alles Geld ins Reisekässchen werfen und hätte dann wieder genügend Polster, um weiter zu reisen. Somit nicht die schlechteste Alternative. Dann wäre der Raketenstart eben auf danach verschoben. Diese beiden Alternativen sind genug, dass ich beruhigt bin, was meinen Kontostand angeht.

So schau ich jetzt also entspannt auf die nahe Zukunft. Ende September muss ich mich aus Mexiko aus- und einstempeln lassen. So werde ich am 24.09. mit dem Bus in 20 Stunden für 35 EUR nach Chetumal, eine Grenzstadt an der mexikanischen/belizischen Grenze, fahren und von dort aus mit dem Taxi zur Grenze, um einmal zu Fuß nach Belize laufen, um dann wieder auf dem Absatz kehrt zu machen und nach Mexiko zurück zu laufen. Danach gönne ich meinem Regenzeit-geschundenen Körper ein wenig Sonne in Tulum an der Karibikküste und ab 02. Oktober auf der Insel Cozumel vor Playa del Carmen, wo ich mich mit Sarah aus Kiel treffe. Sarah habe ich im Februar in Thailand kennengelernt und sie kommt für 4 Wochen zu Besuch. Wir wollen ein bisschen tauchen und die Maya Stätte Chichen Itza erkunden und danach begleitet sie mich für 2 weitere Wochen nach Mexico City.

Koh Tao, Thailand mit Sarah, Februar 2015

Koh Tao, Thailand mit Sarah, Februar 2015

Wisst Ihr was ich im letzten Jahr gelernt habe? Planen ist toll, aber letztendlich kommt es dann immer Anders als man denkt. Und man sollte sich die Flexibilität und Gelassenheit dafür offen halten, um auf solche Situationen reagieren zu können. Mit einer positiven Einstellung, Vertrauen in sich selbst und dem Willen für seine Träume zu kämpfen, kann Frau und Mann Berge versetzen. Und wenn mal etwas nicht so funktioniert, gehört das einfach zum Lernprozess dazu. Dann heißt es: „so geht’s nicht, aber anders geht es bestimmt“.

Und was macht glücklicher, als sich seine Träume zu verwirklichen? Ist es nicht das, wonach wir alle suchen im Leben? Glücklich zu sein?

In diesem Sinne,

Seid die Person, die Ihr sein möchtet und träumt nicht nur davon!

Alles Liebe,
Eure Tanja

Varanasi, Indien, Januar 2015

Varanasi, Indien, Januar 2015

8 Gedanken zu “…und plötzlich war ein Jahr vorüber!

  1. Liebe Tanja
    Danke für den schönen Artikel! Ich habe ihn mir grad zum Frühstück durchlesen dürfen. Durch viele Emotionen bin ich dabei gegangen und am Ende ist nun ein wehmütiges Lächeln mit ganz viel Vorfreude! Unser Bild von meinem geliebten Kho Tao… Und weisst du welche Situation mir in den Sinn kam? Shark Bay and room number 718 :) Aber natürlixh auch viele andere mit einem Mix und der Vorfreude auf unser Wiedersehen in Mexico.
    Deine Erzählungen machen so viel Mut und deine Erfahrungen inspirieren!
    Folge immer deinem Herzen, denn es scheint den Weg zu kennen!

  2. Hallo Süße,

    schön dich wieder zu lesen und gelegentlich zu „whatsappen“.
    Deine Bilder sind wirklich toll, ich kann es beurteilen, weißt ja warum.

    Muss übrigens öfter an unser Business-Plan-ich reise um die Welt- Meeting denken. War ein schöner Tag….aber wenn du arbeiten musst, wo haben wir den Fehler gemacht?

    Als Norddeutscher-Oberlehrer ist ein Motto “ bei uns da oben“ immer stimmig:
    ‚ Gute Jagd und fette Beute‘..passt zu allen Lebenslagen und allen Zielen.

    Lieben Gruß aus deiner Heimat

    Stefan

  3. Hallo liebe Tanja,
    ich habe gerade Deinen Beitrag gelesen und bin total begeistert von Deiner Reise und Deinen spannenden Erlebnissen. Ich bewundere Deinen Mut dies zumachen und es ist immer wieder schön darüber zu lessen. Ich ertappe mich dabei, dass ich beim lessen denke, „Oh wie schön, dass würde ich auch gerne machen“.
    Ich finde Deinen Plan mit der Fotografie super und habe mir natürlich gleich mal die Seite angeschaut, sehr schöne Fotos habe ich da gefunden. Mach weiter so und gib Deinen Plan nicht auf, ich glaube an Dich, dass Du es schaffst. Wie Du schon geschrieben hast, man muss an seine Pläne und Träume glauben.
    Ich habe mich gefreut zu lessen, dass Du nächsten Sommer nach Deutschland kommen möchtest, es wäre super, wenn man sich mal sieht.
    Ich wünsche Dir noch eine super schöne Zeit und hoffe auf ein Wiedersehen 2016 !!!
    Ich wünsche Dir auch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest in der Ferne und rutsche gut ins neue Jahr !!!!
    Ganz liebe Grüsse Andrea !!!!

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